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BADISCHES  TAGBLATT            27.07.2020

Besuch des Landschaftsminister Peter Hauk

 

        Wolf und Weidetiere – das funktioniert nirgends auf der Welt“

„Wolf und Weidetiere – das funktioniert nirgends auf der Welt“
Anna Maria und Achim Benz bewirtschaften den Eckenbachhof in Michelbach. Foto: Senger
Gaggenau (tom) – „Rauskomme, Frieda, der Minister ist da!“ – Aber Achim Benz’ Rufen wurde nicht erhört, Frieda und die anderen Mutterkühe blieben lieber unter den Bäumen: in sicherer Entfernung vom Zufahrtsweg, auf dem sich die neugierigen Herrschaften aus den Abgeordnetenbüros und Amtsstuben drängten. Dabei sollten die Angusrinder doch die Hauptrolle spielen beim Besuch des Landschaftsministers im schönen Michelbach.

Denn nicht dem alten Fachwerk, dem beschaulichen dörflichen Leben galt Peter Hauks Augenmerk gestern Vormittag, sondern der ökologischen Bewirtschaftung von Grünland im Seitental hinterm Gumpen.

Der Eckenbachhof ist das, was man ländliche Idylle nennen könnte: 37 Hektar Wiesen und Weiden, ein gutes Dutzend Mutterkühe, dazu Schwäbisch-Hällische Landschweine – „alles Weidetiere, Verkauf direkt an die Endkunden“, wie der Landwirt betonte. Da steckt viel Arbeit drin für die ganze Familie, für Achim und Ehefrau Anna Maria, Sohn Roberto, Tochter Valentina mit Mann Ricardo und Enkel Matteo (5), der ganz bestimmt auch Rinderzüchter wird, wie der Opa weiß.

Futter nur aus eigener Fläche – frisches Gras im Sommer; Heu, Stroh und Grassilage im Winter, kein Silomais, kein Soja. „Das ist aber Haupterwerb?!“, hakte da der Minister ein. „Nein, Nebenerwerb. Denn ohne ä bissel ebbes verdiene geht es net“, entgegnete Benz schlagfertig. Und damit war das große Thema des Besuchs auch schon auf den Punkt gebracht: „Wirksame Landschaftspflege durch Beweidung.“ Pflegeverträge gelten da als wichtiges Mittel, „denn extensive und naturschutzgemäße Bewirtschaftung im Grünland sind auch elementar mit einer wertschöpfenden Viehhaltung verbunden“, wie Hauk betonte.

Mit Biobauer Benz – der Betrieb ist seit fünf Jahren zertifiziert – hatte der Minister einen Gastgeber, der gar nicht erst um Probleme herumredete: Die Wildschweinplage bereitet gerade Grünlandwirten Sorgen. Damit nicht genug: „Der Wolf und Weidetiere – das funktioni ert nirgends auf der Welt“, forderte er von der Politik, „endlich aktiv was zu tun. Wir wollen keine Zustände wie in Brandenburg oder Niedersachsen!“ Dort sind es nicht nur ein, zwei Wölfe, die durch die Wälder streifen, sondern deren viele, und damit sind die Probleme groß. „Wenn wir das Thema Wolf nicht in den Griff kriegen, ist alles gefährdet“, gab Benz zu bedenken. Dabei habe auch der Wolf seine Existenzberechtigung, aber sein Auftreten müsse kontrolliert werden.

Hauk zeigte sich „dankbar für den Hinweis“. Der Wolf dürfe sich tatsächlich im Wald tummeln, und da Isegrim lernfähig sei, müsse er eben lernen, „dass er auf den Weiden Feuer bekommt“. Damit hob er auf seine Forderung ab, den Wolf dem Jagdrecht zu unterstellen. Hauk verwies auf andere Nationen, dort gehe man „unverkrampfter“ mit dem Thema Wolf um: „Natur und Artenschutz schließt die Bejagung nicht aus.“

Die Landschaftspflege, sie ist kein leichtes Unterfangen, darauf machte auch Samuel Gesell aufmerksam, der stellvertretende Leiter im Landwirtschaftsamt Rastatt. „Immer wieder erstaunt“ sei er, unter welchen schwierigen Bedingungen im Murgtal Landwirtschaft betrieben werde.

Diana Fritz, die Geschäftsführerin des Landschaftserhaltungsverbands, erläuterte das Konzept der FFH-Mähwiesen, das auch in Michelbach zur Anwendung komme. Achim Benz wiederum verwies auf die historischen Gegebenheiten in der Region: Mähwiesen waren nur die abgelegenen Seitentäler; während die geeigneten Niederungen in Siedlungsnähe einer Ackernutzung unterzogen waren. Es sei kein leichtes Unterfangen, ehemalige Ackerflächen einfach zu Wiesen machen zu wollen. Hauk bestätigte dies und bekräftigte, dass man die FFH-Kartierungen überprüfen werde.

Zu einer tierfreundlichen Nutztierhaltung gehört auch eine schonende Schlachtung. Nach Hauks Ansicht sind hier mobile Schlachtboxen eine gute Lösung. Doch stünden bei diesem Thema noch Auseinandersetzungen mit der EU-Kommission bevor, richtete er den Blick auf Hygienebestimmungen. Für Achim Benz wiederum könnte beim Thema mobile Schlachtboxen „ein top Leader-Projekt“ entstehen.

Des Lobes voll waren die hochrangigen Besucher über den Landwirtschaftsbetrieb der Familie Benz in Michelbach: „Froh, dass wir Landwirte haben wie Sie“, zeigte sich Regierungspräsidentin Sylvia Felder. Landrat Toni Huber freute sich über ein „tolles Projekt, das wir hier gesehen haben“. Denn die Offenhaltung der Landschaft durch ein sinnvolles Landnutzungskonzept sei gerade für das Murgtal ein wichtiges Thema.

Vom CDU-Minister selbst gab es abschließend „großes Lob, weil sie das machen, was wir konzeptionell in den 90er Jahren angedacht haben“. Gaggenaus Oberbürgermeister Christof Florus zeigte sich stolz über einen Vorzeigebetrieb in einem Gaggenauer Stadtteil. Auch ein Abschiedsgeschenk hatte er für den Minister dabei: Zum Andenken an den Besuch in Michelbach überreichte er ihm Honig aus Sulzbach.
   

 

 

     

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